Management: Windpark-Errichtung

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Risikomanagement als Schlüssel für gute Performance

Windkraft (c) Bureau Veritas Industry Services GmbH
Windkraft (c) Bureau Veritas Industry Services GmbH

Die Auslagerung der Bauüberwachung und Inbetriebnahmeprüfung durch unabhängige Dienstleister stellt gelegentlich eine sinnvolle Alternative dar und kann Investitionen und die zeitgerechte Verfügbarkeit sichern helfen. Ein Praxisbeispiel anhand der Errichtung eines Windparks in Deutschland mit externen Prüfern.

 

Sechs neue Windenergieanlagen mit je zwei Megawatt Leistung hat die DEW21 Windkraftbeteiligungsgesellschaft mbH, ein kommunaler Windstromerzeuger in Deutschland, Ende 2015 in Kooperation mit dem spanischen Hersteller und Projektierer Gamesa ans Netz gebracht. Ein wesentlicher Faktor in dem von Gamesa äußerst engmaschig aufgesetzten Projektmanagement war die Verpflichtung eines externen Dienstleisters zur Bauüberwachung und der anschließenden Inbetriebnahmeprüfung. Bereits während der Bauphase identifizierte ein Sachverständiger von Bureau Veritas, einer Inspektions-, Klassifikations- und Zertifizierungsgesellschaft, etwaige Mängel. Auf Grundlage der umfassenden Berichte konnte DEW21 den Hersteller informieren und die Mängel umgehend beseitigen.

In der Regel übergibt der Projektierer beziehungsweise der Hersteller eine Windenergieanlage erst nach der Inbetriebnahme an den Betreiber. Als DEW21 Anfang 2015 den Kauf des Windparks „Horst“ in der Nähe der niedersächsischen Stadt Schneverdingen mit Gamesa besiegelte, war dieser zwar komplett projektiert, jedoch noch nicht realisiert. Um unabhängig von den übrigen Beteiligten einen reibungslosen Ablauf sowie die Einhaltung der relevanten Richtlinien und der technischen Bauvorgaben sicherzustellen, ließ der Energieversorger die Errichtung der Anlagen von Bureau Veritas überwachen. „Die Entscheidung fiel zugunsten von Bureau Veritas, da das Unternehmen die für ein derartiges Projekt erforderliche fachliche Kompetenz, Größe und Internationalität vorweisen konnte“, erklärt Maik Löhr, Leiter Regenerative Energien bei DEW21. Zudem ist der Dienstleister an zahlreichen Standorten innerhalb Deutschlands vertreten und mit den jeweiligen regionalen Besonderheiten vertraut.

 

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Im Zentrum der Bauüberwachung stand die Überprüfung der Einhaltung aller Vorgaben, die aus den gängigen Normen und Richtlinien sowie den technischen Spezifikationen des Anlagenherstellers resultierten. Um dies zu gewährleisten, besuchte Lars Groth, Head of Certification Wind Services bei Bureau Veritas ab Frühjahr 2015 jede Woche die Baustelle. „Von der Baustelleneinrichtung über die Erdarbeiten und den Fundamentbau bis hin zur Montage des Rotors habe ich anhand einer Checkliste die Fortschritte an den verschiedenen Stellen aufgenommen und dokumentiert“, berichtet der auf Fundament- und Turmbau spezialisierte Bauingenieur Groth. Zu seinen Aufgaben gehörte zudem, die Meilensteine abzunehmen. „Eine unabhängige Bauüberwachung hat den Vorteil, dass ein Außenstehender oft genauer hinsieht. Werden Mängel rechtzeitig erkannt, lassen sich Folgeschäden, die unter Umständen sehr teuer werden können, vermeiden“, erläutert Matthias Berrichi, der beim von DEW21 beauftragten Betriebsführer psm Nature Power Service & Management GmbH & Co. KG für das Technische Management zuständig ist.

Da es sich bei einer Windenergieanlage um eine komplexe Installation handelt und jeder Standort spezifische Eigenschaften hat, die berücksichtigt werden müssen, gilt es, die Investitionen durch individuelle Lösungen abzusichern. Als etwa die Turmteile und Rotorblätter in Bremerhaven ankamen, inspizierte Groth diese direkt am Hafen auf transportbedingte Schäden. Eine zweite Kontrolle erfolgte auf der Baustelle. Dabei wurde ein kleiner Kratzer entdeckt, der nicht dem Hersteller angelastet werden konnte, da dieser augenscheinlich beim Transport verursacht worden war. Bei größeren Schäden wäre es ohne diese von DEW21 gewünschte Zusatzleistung unter Umständen zu Streitigkeiten über Mängelansprüche gekommen, die zu Zeitverlusten und zusätzlichen Kosten hätten führen können.

Werden während der regulären Baustellenüberwachung Mängel identifiziert, ist eine saubere Dokumentation mit klaren Schlussfolgerungen die Voraussetzung für schnelles Handeln. „Die umfangreichen Berichte, in denen die Ergebnisse regelmäßig zusammengefasst wurden, waren eine große Hilfe für uns. Bereits wenige Tage nach der Kontrolle bekamen wir die Handlungsempfehlungen, gegebenenfalls mit einem Verweis auf die entsprechende Norm“, berichtet Berrichi. „Die Aufbereitung der Ergebnisse für DEW21 war einwandfrei, sodass wir diese quasi eins zu eins an den Hersteller weiterreichen konnten.“ Berrichi ist sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit zwischen Bureau Veritas und psm, sodass bereits weitere gemeinsame Projekte geplant sind.

Nach 300 Betriebsstunden wurden im Rahmen der Inbetriebnahmeprüfung im März 2016 nochmal alle Komponenten in einer ausführlichen technischen Inspektion erfasst und mit den Kauf-, Genehmigungs- sowie Zertifizierungsunterlagen verglichen. Darüber hinaus ermittelte Groth den Zustand der errichteten Windenergieanlagen. „Auf Basis der anschließenden Bewertung im Hinblick auf die verschiedenen Aspekte wie Qualität, Gesundheit, Sicherheit und Umwelt ist es meine Aufgabe als Sachverständiger, eine Aussage zum bestimmungsgemäßen Betrieb zu treffen“, so Groth.

Um im weiteren Verlauf Schäden an Windenergieanlagen frühzeitig zu erkennen beziehungsweise zu vermeiden, sind eine Reihe technischer Prüfungen sinnvoll und zum Teil sogar erforderlich. Neben der Verbesserung der Verfügbarkeit reduzieren wiederkehrende Inspektionen die sicherheitstechnischen Risiken und bieten einen Investitionsschutz für alle Beteiligten. Gleichzeitig wird dafür Sorge getragen, dass die behördlichen Auflagen eingehalten werden und der Versicherungsschutz bestehen bleibt.

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