Gefahren für die Lebensmittelsicherheit

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Mineralöle in Produkten sind nicht immer zu bestätigen

Lebensmittelsicherheit (c) colourbox
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Im Zentrum des 9. qualityaustria  Lebensmittelforums stand die Frage, wie sicher, nachhaltig und hochwertig Lebensmittel sind. Rund 110 Vertreter der Lebensmittelbranche kamen am 11. Oktober ins LFI Oberösterreich nach Linz, um Gefahren für die Lebensmittelsicherheit, Nachhaltigkeit im Lebensmittelbereich, Ernährungstrends und die Forderung der Konsumenten nach ehrlichen Produkten zu thematisieren.

Nach der Eröffnung des Lebensmittelforums durch Axel Dick (Business Development Umwelt und Energie, CSR, Quality Austria) skizzierte Wolfgang Leger-Hillebrand (Branchenmanagement Lebensmittelsicherheit, Quality Austria) aktuelle Entwicklungen in der Lebensmittelbranche. Die Veröffentlichung der IFS Food Version 7 sei mit Jahresbeginn 2018 geplant. Unternehmen hätten eine sechsmonatige Übergangsfrist, um sich rezertifizieren zu lassen. Darüber hinaus sei die neue Version 4 von FSSC 22000 ab 1. Jänner 2018 verbindlich anzuwenden.

Eine wesentliche Änderung betreffe die Anforderungen zum Thema Lebensmittelbetrug (Food Fraud) und die Durchführung von unangekündigten Audits. „Unangekündigte Audits sind nun nicht optional, sondern für alle zertifizierten Unternehmensstandorte verpflichtend. Mittlerweile haben wir die ersten unangekündigten IFS-Audits durchgeführt und dabei wurden ausschließlich positive Erfahrungen gemacht“, so Leger-Hillebrand. Auch die ISO 22000 befinde sich in Revision. Für lebensmittelverarbeitende Betriebe seien HACCP, Fremdkörpermanagement und Schädlingsbekämpfung nach wie vor wesentliche Herausforderungen.

 

Beurteilung von Gefahren aus Konsumenten- und Expertensicht

Franz Allerberger (Leiter Öffentliche Gesundheit, AGES – Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) zeigte auf, wo die größten Gefahren für die Lebensmittelsicherheit lauern. Die Mehrheit der Bürger sei der Ansicht, dass die Behörden gute Arbeit leisten, um sie vor Lebensmittelrisiken zu schützen. Besorgniserregend sei für Konsumenten vor allem der Einsatz von Pestiziden, Antibiotika sowie von Zusatz- und Konservierungsstoffen. Deutlich weniger Bürger seien beunruhigt, wenn es um das epidemiologisch relevante Problem der Fettleibigkeit und lebensmittelbedingte Infektionen gehe. „Die Diskrepanz zwischen empfundenem und epidemiologisch belegbarem Risiko stellt eine kommunikative Herausforderung dar und erfordert die breite Bereitstellung fachlich fundierter Informationen“, folgerte Allerberger und nannte ein Beispiel. So seien zwar Campylobacter, die sich im Zuge der Schlachtung von Geflügel in der Massentierhaltung verbreiten, die häufigsten lebensmittelassoziierten bakteriellen Krankheitserreger in Österreich und der EU. Allerdings seien diese in der breiten Bevölkerung bei weitem nicht so bekannt wie etwa Salmonellen.

 

Food Fraud auf den Spuren

Im Anschluss nahm Thomas Prohaska (Universität für Bodenkultur Wien, Abteilung für Analytische Chemie) das Publikum mit auf die Suche nach den Spuren von Lebensmittelbetrug. Herkunft und Regionalität gehören laut Prohaska zu den aktuellen Megatrends in der Lebensmittelbranche. Dementsprechend sei die Täuschung der Herkunft oder die Verfälschung von Lebensmitteln ein florierender Markt. „Die Kennzeichnung der Herkunft zum Schutz des Konsumenten, des Produzenten und nicht zuletzt der Regionalität ist gesetzlich vorgeschrieben. Das bedarf entsprechender Werkzeuge zur Kontrolle, die auch behördlich umgesetzt werden müssen“, erklärte Prohaska. In der Entwicklung moderner analytischer Methoden zur Charakterisierung von Lebensmitteln seien enorme Fortschritte gemacht worden. Dennoch würden sich den Wissenschaftern nach wie vor Herausforderungen in der eindeutigen Bestimmung von Herkunft und Echtheit stellen.

 

Mineralöle in Lebensmitteln

Den Schwerpunkt zu Allergenen, Mineralölen und Co. leitete Thomas Gude (Lebensmittelchemiker, wissenschaftlicher Leiter, Swiss Quality Testing Services) ein. Die Analytik von Mineralölen sei komplex, wodurch es eine hohe Rate an falsch positiven Ergebnissen gäbe. Eine punktuelle Kontamination von Lebensmitteln mit Mineralölen werde durch Grenzwerte bestimmt. Gude klärte auf, dass aufgrund der vielfältigen Nutzung von erdölbasierten Produkten in unserem täglichen Leben ein Grundlevel in beinahe allen Produkten und Lebensbereichen vorhanden sein könne und dies bis zu einem gewissen Grad dann akzeptiert werden müsste.

 

Rechtlicher Umgang mit Spuren

Danach ging Andreas Schmölzer (Sachverständiger, Inhaber SAICON Consulting, Ingenieurbüro für Ernährungswissenschaften) auf die rechtlichen Konsequenzen beim Nachweis von Spuren in Lebensmitteln ein. Die aktuelle Aufregung um „Gift-Eier“ mit Fipronil zeige, wie sensibel das Thema Spurennachweise sei. Bei der Bewertung von Spurennachweisen in Lebensmitteln gebe es laut Schmölzer vier Kernfragen: Was wurde gefunden? Ist das, was gefunden wurde, auch richtig? Stimmt die Kontaminationshypothese? Wird die Eignung des Lebensmittels beeinträchtigt oder nicht? Im Rahmen der Relevanzprüfung sei festzustellen, ob eine Grenzwertüberschreitung, die gesundheitsschädlich sei, vorliege. Zur Ermittlung könne man auf die Verzehrsdaten der EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) zurückgreifen, die sich bei der Festlegung von Grenzwerten an den High Consumern orientiere, die lediglich fünf Prozent der Konsumenten ausmachen.

 

Ehrliche Produkte sind gefragt

Die Programmpunkte des Nachmittags zum Schwerpunkt Nachhaltigkeit starteten mit einem Vortrag von Selin Patrick (Manager Analytic Consulting, Nielsen) über aktuelle Food Trends. Gesundheit und gesunde Ernährung würden verstärkt im Fokus der Verbraucher stehen und dadurch Ernährungstrends maßgeblich prägen. Der Konsument achte vermehrt auf Zutaten in Lebensmitteln, sei deutlich sensibilisierter auf Inhaltsstoffe und verzichte bewusst auf ungewünschte Substanzen. „Lebensmittel müssen verstärkt moralisch vertretbar sein, aber auch funktionieren – wo bisher Bio und Regionalität ausreichten, sucht der Konsument heute gezielt nach mehr. Nachhaltigkeit und Transparenz, Superfoods, gesunde Alternativstoffe und eine neue, gesunde Convenience sind wesentliche Trends der nahen Zukunft“, resümierte Patrick.

 

Nachhaltiges Wirtschaften

Anschließend stellte Herbert Schlossnikl (Vorstand, Vöslauer Mineralwasser AG) die Nachhaltigkeitsaktivitäten seines Unternehmens vor. Nachhaltigkeit durchdringe alle Bereiche im Unternehmen. Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung und Weiterentwicklung sei die Verankerung der Nachhaltigkeitsziele in der Unternehmensstrategie sowie ein schlagkräftiges Nachhaltigkeitsteam. „Nachhaltig erfolgreich wirtschaften bedeutet für uns wirtschaftliche, ökologische und soziale Ziele miteinander zu verbinden“, erläuterte Schlossnikl das Nachhaltigkeits-Credo des Unternehmens. Danach ging er auf umgesetzte Maßnahmen wie die Wertstoffsammlung zur Reduzierung des Gewerbeabfalls, die Reduktion von Energiefressern oder Elektromobilität ein. „Man darf sich nicht von der Erstinvestition in Nachhaltigkeitsaktivitäten abschrecken lassen, denn langfristig rechnen sich diese Projekte“, so Schlossnikl.

 

Markenbindung durch CSR

Christoph Burmann (Inhaber des Lehrstuhls für innovatives Markenmanagement LIM®, Universität Bremen) beleuchtete die Relevanz von Corporate Social Responsibility (CSR) für den Erfolg von Marken aus der Lebensmittelwirtschaft. CSR habe bei Lebensmittel-Marken keinen direkten Einfluss auf das Kaufverhalten, aber es steigere die emotionale Bindung an eine Marke, das sogenannte Brand Attachment. Außerdem wirke bei Marken aus der Lebensmittelwirtschaft CSR stärker als in allen anderen untersuchten Branchen auf die emotionale Markenbindung. Daher sei CSR zur emotionalen Differenzierung hier besonders gut geeignet. „Das Kaufverhalten gegenüber Lebensmittel-Marken wird zu 40 Prozent von der emotionalen Markenbindung erklärt. Es lohnt sich also, den Hebel der Markenführung anzusetzen“, zeigte Burmann auf.

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